Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

  • 7.02.2002
    die naTo
  • 8.02.2002
    die naTo
  • 10.02.2002
    die naTo
  • 11.02.2002
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  • 12.02.2002
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  • 13.02.2002
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Die Sammler und die SammlerinLes glaneurs et la glaneuse

Leipzig-Premiere

Frankreich 2000, OmU, 82 min, Regie: Agnes Varda, Dok-Essay

Ein kleiner Film: keine Stars, kein großer Titel, winziges Budget. Agnès Vardas neue Arbeit zeigt die noch heute lebendige Tradition, in welcher Menschen - freiwillig oder aus Not, nach der Ernte oder auf Wochenmärkten Kartoffeln, Äpfel und andere zurückgelassene Dinge auflesen, nur dass heutzutage die Sammler auf ihren Wegen genauso gut Kühlschränke und anderen Schrott vorfinden. Leute, die Varda filmt, leben oft am Rande der Gesellschaft. Die Tatsache, dass sie deren Vertrauen gewonnen hat, wirft ein Licht auf die persönliche Integrität der kunstfertigen Regisseurin. "Filmemachen ist auch eine Art des Sammelns", sagt sie. Vardas "Wanderstrassen-Dokfilm" wurde zunächst wenig beachtet, dann von Canal+ ausgestrahlt und am nächsten Tag ins Kino gebracht... mit überraschendem Echo: enthusiastische Presse, Warteschlangen, 43.000 Zuschauer in neun Wochen... Die Zuschauer applaudierten wie im Theater.
Ein Wunder an Freiheit und Genauigkeit, Neugier und Geduld, Verspieltheit und Zärtlichkeit. Die Regisseurin von VOGELFREI und CLÉO VON 5 BIS 7 beginnt mit François Millets berühmtem Bild der Kartoffelklauberinnen, kommt von dort vom Hundertsten ins Tausendste - oder eigentlich eher umgekehrt: Sie kommt ihrem Thema immer näher, indem sie es immer weiter faßt und zeichnet am Ende ein Bild unserer (Wegwerf-) Gesellschaft, in gleichem Maße poetisch wie politisch. Sie beginnt mit der Erkenntnis, daß Erntemaschinen die mühselige Kartoffelernte von Hand überflüssig gemacht haben. Aber dann stellt sie fest, daß es das durchaus noch gibt, wenngleich in anderem Zusammenhang. Abseits der Konsumgesellschaft gibt es immer noch Leute, die sich bücken und die Reste auflesen. Sie wühlen in den Abfällen der Wochenmärkte, durchsuchen die Mülltonnen hinter den Supermärkten, pflücken, was bei der Ernte übersehen wurde. Varda findet ihre Helden auf Obstplantagen, auf Müllkippen und Schrottplätzen. Godard hat einmal behauptet, er habe seinen Film auf dem Schrottplatz gefunden - Varda nimmt ihn beim Wort... Keine Sozialreportage, sondern listige Reflexionen über eine Gesellschaft, die von dem lebt, was durch den Rost fällt. (fsk-Kino, Michael Althen)

Lief zuletzt im Februar 2002