Cinémathèque Leipzig - Archiv

<< Dezember 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 heute morgen 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 >>
ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ

Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

Import Export Import Export
  • Do 18.10. 17:30
    die naTo
  • Do 18.10. 19:45
    die naTo
  • Fr 19.10. 17:30
    die naTo
  • Fr 19.10. 19:45
    die naTo
  • Sa 20.10. 17:30
    die naTo
  • Sa 20.10. 19:45
    die naTo
  • So 21.10. 17:30
    die naTo
  • So 21.10. 19:45
    die naTo
  • Mo 22.10. 19:45
    die naTo
  • Mo 22.10. 22:15
    die naTo
  • Di 23.10. 19:45
    die naTo
  • Di 23.10. 22:15
    die naTo
  • Mi 24.10. 19:45
    die naTo
  • Mi 24.10. 22:15
    die naTo

Import ExportLeipzig-Premiere in der naTo

Leipzig-Premiere

Österreich 2007, OmU, 132 min, Regie: Ulrich Seidl
mit Ekateryna Rak, Georg Friedrich, Michael Thomas, Natalija Baranova, Paul Hoffmann, Susanne Lothar

Snizne, Ukraine. Hier ist die Ex-Sowjetunion so, wie man sich das vorstellt. Vorbei an Müllhalden, über verschneite Gleise, immer im Schatten des Reaktors im Hintergrund, geht Olga jeden Morgen zur Arbeit. Immerhin hat sie Arbeit, als Krankenschwester, doch bezahlt wird sie nur unregelmäßig. Mit Nebenjobs versucht sie genug Geld für sich, ihre Mutter, ihren Bruder und ihr Baby zu verdienen, mit denen sie im Plattenbau lebt, ohne Heizung oder fließend Wasser. Eine Freundin verschafft ihr eine Stelle in einer Art Globalisierungsjob: Per Webcam präsentiert sie ihren Körper vor üblen Kunden aus dem Westen. Bald darauf lernt sie den "richtigen Westen" kennen. Eine Freundin in Wien verschafft ihr einen Job als Kindermädchen, doch schnell wird sie entlassen und findet sich wieder in einem Krankenhaus - allerdings als Putze, in der Alten-Pflegestation.
Wien. Paul trainiert, um einen Security-Job zu bekommen. Kaum angenommen, wird er nachts von einer Gruppe Halbstarker gedemütigt und ist erneut arbeitslos. Im Gegensatz zum Osten bedeutet das zwar keine existentielle Not, aber lähmende Langeweile, Stress mit Gläubigern, mit Trinken verbrachtes Nichtstun. Er besucht alberne Beratungsseminare, leiht sich weiter Geld. Zusammen mit seinem Stiefvater dann ein neuer Job: Die beiden stellen alte Spielautomaten in der Slowakei und der Ukraine auf. In den verfallenden Wohnsilos wirken die bunten Apparate wie absurde Fremdkörper. Nach der Arbeit trinken sie und versuchen in den ranzigen Nachtbars des Ostens ein williges Mädchen zu finden.
Ganz formalistisch stellt Ulrich Seidl die beiden Ebenen gegeneinander, die sich nicht berühren, aber in vielerlei Hinsicht spiegeln. Man könnte einwenden, dass die Sphären, die Seidl ausgewählt hat, in keiner Weise repräsentativ für die jeweiligen Gesellschaften als Ganzes sind, aber das würde zu kurz greifen. Denn es wäre zu leicht, "Import Export" als bloße Unterschichtenstudie abzutun. Die Folgen der desolaten Verhältnisse in Teilen Osteuropas sind bis in den Westen zu spüren. Und das gerade Websex und Prostitution Branchen sind, in denen Kunden aus allen Schichten des Westens die Armut Osteuropas ausnutzen, ist offensichtlich. Das alles zeigt Seidl in für seine Verhältnisse fast zurückhaltende Weise. Zwar ist sein Blick immer noch von schonungsloser Härte geprägt, der nicht zurückweicht, egal was er sieht. Doch im Gegensatz zu "Hundstage" sind in "Import Export" die Momente tiefster Erniedrigung rar, was diesen brillanten Film allerdings in keiner Weise leichter zu ertragen oder gar harmloser macht.

Lief zuletzt im Oktober 2007