Cinémathèque Leipzig - Archiv

<< Dezember 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 heute morgen 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 >>
ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ

Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

Die Schlacht um Algier Die Schlacht um Algier
  • Di 28.08. 19:30
    die naTo

Die Schlacht um AlgierLa battaglia di Algieri

Franzöische Sommeruniversität Leipzig 2007

Algerien/Italien 1965, OmU, 120 min, Regie: Gillo Pontecorvo
mit Brahim Haggiag, Jean Martin, Yacef Saadi

Algier 1957: Die "Nationale Befreiungsfront" (FLN) rüstet zum Widerstand gegen die französische Kolonialherrschaft in Algerien. Während Ali-la-Pointe vom Kleinkriminellen zum Guerillaführer der Kasbah von Algier aufsteigt, greifen die Truppen des Colonel Mathieu immer härter durch. Um die Drahtzieher der Untergrundorganisation zu finden, benutzen sie Foltermethoden, die den Attentaten der Algerier an Grausamkeit in nichts nachstehen.
In Algier halten die französischen Truppen unter Colonel Mathieu das Heft in der Hand. Nach dem erfolglosen Kampf in Indochina sind die Franzosen fest entschlossen, ihre letzte Kolonie nicht aufzugeben. Doch im Untergrund organisiert die "Nationale Befreiungsfront" (FLN) den blutigen Widerstand. Ihr Ziel ist ein unabhängiger, islamischer Staat Algerien. Ali-la-Pointe entwickelt sich vom Straßengauner zum Attentäter und schließlich zum Chef-Guerillero der Kasbah, dem autonomen historischen Kern Algiers. Zunächst gelten die Anschläge der Aufständischen einzelnen Polizisten und Militärs, bald töten ihre Bomben auch französische und arabische Zivilisten. Die Organisation der Befreiungskämpfer baut auf Anonymität. Keiner von ihnen kennt mehr als zwei seiner Mitstreiter. So scheint es für Colonel Mathieu fast aussichtslos, die Drahtzieher ausfindig zu machen. Als es zum Generalstreik kommt, greift er zu drastischen Mitteln. Seine Soldaten sollen die Gefangenen durch Folter zum Reden bringen. Die Gewalt der einen Seite spiegelt sich so in der Grausamkeit der anderen. Und auch als der Colonel das Versteck von Ali-la-Pointe ausfindig macht, ist der Kampf noch nicht entschieden.

Ganz dem dokumentarischen Realismus verschrieben, erzählt der italienische Regisseur Gillo Pontecorvo die wichtigsten Ereignisse des Algerienkriegs (1954-1962) nach. Das Ende des Kriegs bedeutete auch das Ende der Vierten Französischen Republik und die Unabhängigkeit Algeriens. Trotz der historischen Nähe - der Film entstand nur drei Jahre nach der Unabhängigkeit Algeriens - gelang es Pontecorvo, eine erstaunlich ausgeglichene Darstellung der Kriegsgeschehnisse auf die Leinwand zu bringen. Denn in dieser Betrachtung über die Gräuel gewaltsamer Konflikte findet der Standpunkt beider Parteien, Franzosen wie Algerier, seinen Raum. Dennoch gab es in Frankreich so viele Widerstände dagegen, dass der Film dort erst 1971 gezeigt werden konnte, obwohl er 1966 beim Festival von Venedig einen Goldenen Löwen gewann und in drei Kategorien (bester ausländischer Film, bestes Drehbuch, beste Regie) für den Oscar nominiert war. Eine filmische Rarität, die im deutschen wie im französischen Kino bisher kaum zu sehen war.

Erst nach einer Aufführung auf dem Festival von Cannes 2004 (Cannes Classics) kam "Die Schlacht von Algier" endlich wieder in französische Kinos. Anregung war er dennoch, so für Sam Peckinpah, der ihn zu seinen Lieblinmgsfilme zählte und auch für Stanley Kubrick, der ihn zur Vorbereitung der Schlusssequenz von "Full Metal Jacket" gesichtet haben soll.

Lief zuletzt im August 2007