Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

    Dennis Nyback on tour: Open Road

    USA 1920-80, 90 min
    mit Zusammengestellt und präsentiert von Dennis Nyback

    Amerika hat die Freiheit der Bewegung immer glorifiziert - welches Problem man zu Hause auch immer hatte, sich in Bewegung zu setzen und unterwegs nach dem Glück zu suchen wurde immer als eine Art Lösung verstanden. Erst gab es den Westen, wo man den Indianern Land klauen und sich niederlassen konnte, dann die Gold- und Silberräusche in Kalifornien und Nevada wo man (vielleicht) Reichtümer erhoffen konnte, dann gab es Eisenbahnen und Straßen quer durchs Land, Autos wurden erfunden und waren bald billig und verfügbar für jedermann - aber damit verschwand auch dieses geheimnisvolle Nirvana am Ende der Straße. Die Reise hatte nun keinen Endpunkt mehr, kein goldglänzendes Sacramento... doch der Mythos der Landstraße blieb.
    Der Weg selbst wurde das Ziel. Obstpflücker bewegten sich von Süd nach Nord und andersherum durch den Westen und verdienten so ihr Geld, die Hobos --die Obdachlosen der Großen Depression in den frühen 1930ern- reisten auf Güterzügen quer durchs Land auf der Suche nach Schnaps und Essen, flüchtige Bankräuber in gestohlenen Wagen wurden zu nationalen Helden, und nach dem 2. Weltkrieg tauchten bald die gefürchteten Biker Gangs auf und sorgten für Terror auf den Landstraßen. Dann kamen die Hippie-Tramper auf ihrer Suche nach Drogen und Gemeinschaft und dann... nunja, da sind wir beim jetzt, wurde derjenige, der auf der Landstraße noch nach irgendwas sucht, zu nichts als einem Drifter. Hier ein Job, da ein Job, viele Six-Pack Biere und vielleicht eine klein-kriminelle Aktion dazwischen. Der letzte auf dem Highway und kein Held mehr...
    Der Mythos der Straße lebt dennoch weiter... wenn auch nur als Traum und Urlaubsidee für den Mittelstand. Das macht die Straße natürlich nicht weniger gefährlich - und Nyback zeigt wie gefährlich sie sein kann. „Mechanized Death" von 1961 zeigt zum Beispiel nur ganz brave Fahrer auf der Autobahn - nachdem sie sich in einem Unfall den Schädel eingerammt haben. Gedreht von Dick Waymann in Zusammenarbeit mit der Autobahnpolizei von Ohio ist dies einer der blutigsten Streifen, den die amerikanische Filmgeschichte zu bieten hat. Keine special effects - hier sind die Toten und Schmerz-schreienden echt. Gedreht zur Aufklärung anderer Fahrer, natürlich. Eine „No Doz" Werbung (von 1966) bietet dann auch gleich ein Mittel an, das verhindern soll, daß man beim Fahren einschläft während „Unrestrained Flying Objects" (1966) auf bizarre Weise den Gebrauch von Sicherheitsgurten empfiehlt. „None for the Road" empfiehlt nicht zu trinken schon zu Zeiten (1963) als selbst der heutige Präsident sich noch beim Besoffen-Fahren erwischen ließ.
    Aber wir haben natürlich auch die wilderen Gesellen im Programm. Barry Newman sucht die ultimative Freiheit auf dem Highway im Trailer zu „Vanishing Point" um am Ende des Films dann in die Bulldozer-Barrieren der Polizei zu krachen. Peter Fonda hat so ähnliche Ideen in „Dirty Mary, Crazy Larry" (auch als Trailer hier; warum macht keiner mehr Filme mit solchen Titeln?!) während „Badlands" (1973 - Trailer im Programm) die Geschichte des reisenden jungen Serienmörderpaars Charles Starkweather und Caryl Ann Fugate aus den 50er Jahren nacherzählt.
    Gefährlich ist sie also schon, die oft beschworene"open road"... „Hitch Hiking - The Road to Rape" (1978) zum Beispiel warnt junge Damen, nicht zu Typen mit Verbrechergesichtern ins Auto zu steigen. Und road rage? Klar, gab es schon in den 1920ern. In „If I had a Million" (1928) nimmt sich der berühmte Komödiant W.C. Fields jeden vor die Kühlerhaube, der ihm nicht paßt...
    Am besten fahren wir also mit dem Bus. Ist zwar unbequem aber billig und laut dem „Greyhound Bus" commerical im Programm doch nicht so schlimm. Das wurde ja auch gedreht (1963) bevor Busfahrern beim Fahren die Kehle durchgeschnitten wurde wie das ja heute ab und an vorkommt...

    Johannes Schönherr