Cinémathèque Leipzig - Archiv

<< Dezember 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 heute morgen 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 >>
ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ

Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

    Dennis Nyback on tour: Hillbillies in Hollywood

    USA 1920-50, 90 min
    mit Zusammengestellt und präsentiert von Dennis Nyback

    Der typische Hillbilly lebt in den Bergen von Kentucky, Tennessee oder West Virginia und er hat noch nie eine Schule von innen gesehen. Er ist das Produkt generationen-langer Inzucht, die Zähne sind ihm schon in früher Jugend ausgefallen und sein Haus ist eine einsturzgefährdete Holzhütte mit einem Plumsklo auf der Wiese. Wenn das in die Erde gebuddelte Klo-Loch voll ist wird einfach ein neues Loch gegraben, ein paar Schritte weiter, und die primitive Klo-Hütte über das neue Loch gestellt. Der Hillbilly lebt vom illegalen Schnapsbrennen und seine Sippe ist in endlose Fehden mit den Nachbars-Sippen verstrickt. Keiner kann sich mehr erinnern, warum die Feindschaften zwischen den Familien irgendwann ausgebrochen sind aber da der Hillbilly seine Knarre schnell bei der Hand hat schießt er gerne auf alles was sich bewegt, auf die Söhne der verfeindeten Sippe natürlich am liebsten.
    Aber wenn der Hillbilly abends in seiner Hütte sitzt, sich ein paar Zähne zieht und sich bei einer Flasche Selbstgebranntem über den Abschuß des Nachbarn freut, singt er ja auch gerne und spielt auf dem selbstgebauten Banjo dazu. Eine rauen aber sehr humorvollen, schrägen Sound - den Sound, den er von den Urvätern geerbt hat.Und wie er spielen kann!
    Hollywood und die frühe Musikindustrie entdeckten den Hillbilly-Sound schnell -schon in den 1920ern. Sofort nachdem dem Tonfilm erfunden war. Bei den Hillbillies war schließlich der beste, originalste und wildeste Sound zu finden, den es damals in Amerika neben dem Jazz gab.
    Dennis Nyback, selber kein Hillbilly, hat nun hier ein Programm zusammengestellt, das die originellsten und besten Hillbilly-Musikclips der 1920er bis 1950er präsentiert - der klassischen Zeit des echten Hillbilly -Sounds.
    Musiker wie Freddie Schnicklefritz Fisher, Spike Jones, Eddie Peabody und Dick Thomas mischten damals nicht nur die Tanzsäle und vor allem Vaudeville Bühnen der gesamten Vereinigten Staaten auf sondern erschienen auch in diversen Hollywood Filmen ( wie Dick Thomas z.B. in „The Man on the Moon") und - natürlich - auf den Bildschirmen der sogenannten Soundie Maschinen, die in Bars überall in Amerika standen, in die man eine Münze einwerfen konnte und wo man dann seinen Hillbilly-Star auf einem relativ großen Bildschirm singen sehen konnte.
    Diese Soundie-Maschinen-Filme funktionierten per Rückprojektion. Wenn man die Originale also heute, wie in Nybacks Show, im Kino sieht, sind die Titel alle seitenverkehrt.
    Richtig herum auf die Filmkopie gedruckt sind dagegen die frühen Fernsehauftritte der Hillbilly-Stars. Auch das Fernsehpublikum der 1950er konnte sich an Hillbilly-Stars nicht satt sehen - boten diese doch amerikanische Folklore im besten, originalsten und auch spaßigstem Format.
    In Nybacks Programm sind unter anderen vielen mehr:
    · Hank Fort. Eigentlich hießt sie Henrietta Fort und sie singt hier „I didn't Know the Gun was Loaded" (1950). Leute erschießen ist eine sehr lustige Sache bei ihr.
    · The Korn Kobblers mit „Listen to the Mockingbird" (1941) - diese Band galt als „lustigste ihrer Zeit"
    · Le Donne Trio singen schon 1943 „Everything is Hotsy Totsy Now" als wäre es ein Rockabilly Song. In der Holzhütte mit Plumsklo zu wohnen heißt ja nicht, daß man nicht dennoch seiner Zeit weit voraus sein kann.
    · Spike Jones singen einen Hillbilly-Fehden-Song mit „Pass the Biscuits Mirandy" (1942)
    · Borah Minnevitch and his Harmonica Rascals in einem 1940er Clip zu ihrem Song „Boxcar Rhapsody": Hillbillies unterwegs auf dem Güterzug und sie singen da ihre Lungen raus selbst wenn Messer anch ihnen geworfen werden.
    · Blue Mondi machte alles allein: wenn er den „St. Louis Blues" (1943) spielt, sind alle Instrumente an seinem Körper befestigt und er spielt alle synchron. Leute wie er waren beliebt in mageren Zeiten - es war billiger, einen Musiker zu zahlen als eine Band! Platten hat Blue Mondi natürlich nie herausgebracht.
    · Eddie Peabody war der absolute König des Banjo. Er spielt „Swanee River" in dieser Show. Er baute Banjos aus Zigarrenkisten und was auch sonst immer verfügbar war und er erfand den inzwischen klassischen Weg, den Saiten-Zupf-Instrumenten neue Klänge mittels eines „Plectrums" (weichen Plastik-Chips) zu entlocken. Moderne Rockmusik wäre kaum denkbar ohne ihn.
    · Wie immer bei Nyback gibt es auch in dieser Show Filme zu sehen, die zu ihrer Entstehungszeit kaum das Licht öffentlicher Kinos sahen: hier z.B. ein privater Kurzfilm von 1936 in dem 2 nackte Schönheiten zur Musik der Hillbilly Stars Bob Wills and Tom Dancan tanzen.
    ·
    Und natürlich viel, viel mehr...

    Johannes Schönherr