Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

No Pasaran! No Pasaran!
  • 2.11.2006
    die naTo

No Pasaran!Soziale Revolution und Spanischer Bürgerkrieg - Achtung: VA nicht in der naTo!!!

Spanien 1932-97, 120 min

2. November, 19.00 Uhr

ACHTUNG ANDERER SPIELORT:
Libelle, Kolonadenstraße 19, 04109 Leipzig

Tierra sin pan / Las Hurdes
Luis Buñuel, Spanien 1932, 30 min, Dok
Der Blick auf eine Welt ohne Gott
Eine wütende Polemik über Spaniens ärmste Region, die nicht nur das Dokumentarfilmgenre beiläufig ad absurdum führt, sondern sämtliche surrealistischen Alpträume mit Alltagsbildern übertrifft.
Was wie ein sachlicher, kultuvierter Dokumentarfilm über die Estremadura beginnt, die vom Elend heimgesuchte Bergregion Spaniens, wendet sich zu einer surrealen und subversiven Vision von Krankheit, Tod und Verwesung.
Unwiderstehlich und überwältigend ist die eiskalte Leidenschaftslosigkeit, die dieser frühe, 1932 gedrehte Dokumentarfilm Luis Buñuels ausstrahlt. Und das umso mehr, je mehr der Zuschauer das Gefühl hat, dass der Regisseur sein moralisches Empfinden auf die Probe gestellt hat. Denn nichts anderes geschieht hier. Fast schon hemmungslos, mit der Neugierde eines Arztes untersucht Buñuel, wie viel der Organismus des Zuschauers zu ertragen vermag. Und siehe da, er erträgt allerhand - viel mehr, als die Moral- und Gesellschaftsforscher glauben möchten.
Dem Anschein nach ist dieser Film durch und durch soziographisch angelegt. Doch ebendies beginnt schon nach wenigen Minuten fraglich zu werden. Obwohl er Elend, Leid und Gezeichnet- Sein zeigt, versucht er nicht aufzuwühlen und von etwas zu überzeugen, er möchte nicht eine Erkenntnis wecken und nimmt sich schon gar nicht vor, irgendein Ziel zu erreichen. Ihm fehlt also jede Ideologie. Und das fällt deshalb auf, weil er sich, was sein Thema betrifft, gerade mit den ideologischsten (sowjetischen, deutschen) Filmen seiner Zeit vergleichen liesse. Und doch, Buñuels erklärtes Ziel war es, einen Dokumentarfilm zu drehen.
Er zeigt in diesem Film eine Welt, die am ehesten an einen im unendlichen Weltall kreisenden, erkalteten Steinbrocken erinnert. Die Gegend von «Las Hurdes» erinnert nicht deshalb an den Abgrund der Hölle, weil sie sich vom Himmel so weit entfernt hat, sondern weil das Leben selbst, mit allem, was dazugehört, wie die Hölle ist.
(nach László F. Földényi, er lehrt Literaturwissenschaft an der Universität Budapest)

Un pueblo en armas
Spanien 1937, 45 min, Dok
Am 17. Juli 1936 putschten in der spanischen Enklaven in Nordafrika rechte Militärs, unterstützt von faschistischen, klerikalen und konservativen Kräften. Der Aufstand, der sich innerhalb von Tagen auf ganz Spanien ausbreitete, traf die republikanische Regierung nicht völlig unerwartet, jedoch ignorierte sie die Warnungen. Dennoch wurde dem Aufstand Widerstand entgegengesetzt - Widerstand, der von unten kam, von den Gewerkschaften, vom "Volk". Der Film UN PUEBLO EN ARMAS (Volk in Waffen) erzählt die Geschichte dieses Aufstandes anhand von Filmsequenzen, die Mitglieder der anarchistischen Gewerkschaft CNT während dem dreijährigen Bürgerkrieg gedreht haben. Er zeigt einerseits die Schrecken des Krieges, der zehntausenden von Menschen das Leben kostete, anderseits den mitreissenden Enthusiasmus vieler Leute, welcher die "Spanische Revolution" ermöglichte. Noch heute wird vielfach verschwiegen, dass Spanien zwischen 1936 und 1939 nicht nur ein Ort des Bürgerkrieges war, sondern auch ein Experimentierfeld vieler verschiedener anarchistischer und sonstigen freiheitlicher Theorien. Ob die Kollektivierung der Getreidefeldern Aragóns oder die Selbstorganisierung in den Industrie- und Dienstleistungsbetrieben in Barcelona, viele Errungenschaften dieser Revolution waren einzigartig in Europa.

Vivir la Utopia
Juan Gamero, Spanien 1997, 95 min, Dok
Zahlreiche ZeitzeugInnen der CNT, der anarchistischen Föderation, der anarchistischen Jugend und der 'Freien Frauen' kommen zu Wort. Es geht weniger um den Verlauf des Bürgerkrieges als mehr um die Ideen und Ziele des Anarchismus/Anarchosyndikalismus und wie diese Mitte/Ende der 30'er Jahre in die Realität umgesetzt wurden. Auch wenn der Bürgerkrieg verloren wurde, so fassen sich die AkteurInnen der Revolution nicht als Besiegte auf!
"DIE UTOPIE LEBEN behandelt die Spanische Revolution und wirft einen Blick auf die anarchistische Bewegung in Spanien. Der Film zeigt die radikalen gesellschaftlichen Veränderungen, die sich während des Bürgerkriegs von 1936 bis 1939 in jenen Gebieten zutrugen, die in der Hand der Republikaner waren. Zeitzeugen aus den Reihen der Anarchisten berichten über ihre Erfahrungen. Einige von ihnen, darunter Conxa Pérez, standen Gestalten in Ken Loachs Film LAND AND FREEDOM Pate. Gesprächspartner sind 30 Aktivistinnen der Spanischen Revolution. Sie alle sind oder waren Anarchisten und hatten verschiedene Aufgaben und Verantwortungsbereiche. Viele von ihnen leben noch im Exil in Frankreich, Kanada, Mexiko und Venezuela. Sie sind eigens nach Spanien gekommen, um Zeugnis abzulegen. Der Dokumentarfilm gibt einen Überblick über die Geschichte der anarchistischen Bewegung seit dem 19. Jahrhundert, die Gründung der CNT (Confedéración Nacional del Trabajo) und der FAI, die Rolle von Kultur und Erziehung (Modernes Schulwesen), die Vielfalt der Ideen und Aktivitäten im Vorfeld der Zweiten Republik, den Staatsstreich der Militärs, der sowohl einen Krieg als auch eine Revolution (die einzige anarchistische Revolution) auslöste, und insbesondere über die Einrichtung und das Funktionieren der Kollektivbetriebe in den ländlichen und städtischen Gebieten. Er schließt mit der Niederlage des republikanischen Lagers im Jahre 1939.

Lief zuletzt im November 2006