Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

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Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

  • 4.11.2006
    die naTo

Upside-Down or Phantomas in the Province / Here We Come

49. Internationales Leipziger Festival für Dok- und Animationsfilm

Rußland bzw. BRD 2006, 109 min, Regie: Doppelprogramm

Upside-Down or Phantomas in the Province
(Wwerch Tormaschkami ili Fantomas w Uezdnom Gorode)
R: Venjamin Tronin, Russische Föderation 2005, 21 min
Manchmal ist es gut, die Dinge auf den Kopf gestellt zu betrachten. Der kleine Shenja, tief in der udmurtischen Provinz, neigt zu dieser Sichtweise. Breakdancer tanzen gar auf dem Kopf. Und schließlich, so wird zu Beginn des Films festgestellt, wird der Mensch "upside down" geboren, erst später sieht er die Dinge "richtig". Aber was heißt das schon?
Richtig ist es auf alle Fälle, dass in Shenjas Rayon das HipHop-Fieber ausgebrochen ist - auch bei dem Jungen und seiner udmurtische Volkslieder singenden Großmutter. So eine Bewegung gehört in rechte Bahnen gelenkt, also werden flugs die Beat-Dance-Meisterschaften "Fantomas" ins Leben gerufen. Alt und jung strömt zum örtlichen Kulturhaus, einschließlich der "Verdienten Künstler des Volkes", welche in die Jury berufen wurden und im richtigen Leben als Leiter ehrwürdiger Volkskunstkollektive agieren. Denen sind die Breakdance-Performances dann auch "zu schmutzig" - und haben die Hiphoper überhaupt ordentlich geprobt? Am Ende stehen alle Kopf .
Geschickt eingesetzte, rasante Parallel- und Tonmontagen verdeutlichen die Absurdität des Zusammentreffens von Gegen- und Staatskultur - eine Provinzposse.
Anschl.:

Here we come
R: Nico Raschick, BRD 2006, 88 min
Sie nannten sich Halmi's Break Crew, Dynamics, Big City Breakers, Stretch Breakers (irrtümlich, weil keiner wusste, wie "Scratch" geschrieben wird), DownTown Lyrics oder Ronny's Break System: Breakdancer in der DDR. Aus einer Körperwelle, gesehen Anfang der Achziger im ZDF, entstand eine Bewegung. Vom Kinderzimmer auf die Straßen, mit selbstgenähten Puma-Anzügen, selbstbemalten Adidas-Turnschuhen, selbstgebastelter Musik (mittels Manipulation des Kassettendeck-Motors .) Jede Provinzgasse konnte zur "Beat Street" (Kultfilm, 70mal gesehen) werden, der Lebensinhalt: "In jeder Sekunde tanzen zu können." Anfangs noch mit dem Ruch des Undergrounds behaftet und der Willkür der Polizei ausgesetzt, wird Breakdance schließlich instrumentalisiert und als "akrobatischer Showtanz" kommerzialisiert. Die Akteure werden zu gutbezahlten Unterhaltungskünstlern. Stars, die irgendwann feststellen, dass das alles mit Straße nichts mehr zu tun hat. Die sich für Bleiben oder Gehen entscheiden müssen, und für manchen fängt alles von vorne an . Aber: "Der Beat ist ewig."
"Here we come" entfaltet eine Fülle sehenswerten Archivmaterials, das durch die Erinnerungen der Akteure strukturiert und durch animierte Szenen angereichert wird. Ein Film wie ein Loop: elegant und schnell. Selten auch sah man so sympathische Protagonisten, die sich selbst treu geblieben sind, und sich beim Drehen offensichtlich wie Bolle amüsierten. Vergangenheitsbewältiger und Knoppisten, hergehört: So erzählt man DDR!
(beide in der Sektion Dok Internationales Programm)

Lief zuletzt im November 2006