Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

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Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

Civil Status / Die Taxischwestern von Xian Civil Status / Die Taxischwestern von Xian
  • 2.11.2006
    die naTo

Civil Status / Die Taxischwestern von Xian

49. Internationales Leipziger Festival für Dok- und Animationsfilm

China/Rußland/BRD 2005/2006, 102 min, Regie: Doppelprogramm

Civil Status (Grajdanskoe sostoianie)
R: Alina Rudnitskaya, Russische Föderation 2005, 29min
Der Status des Staatsbürgers lässt sich seit dem Zugriff der biopolitischen Instanzen auf das Leben des Individuums an Formularen und Dokumenten ablesen. Kreuze setzen, Daten eintragen, Unterschrift, Stempel, fertig ist die Registrierung, fertig der Mensch als Datensatz. Gerade die größten emotionalen Momente eines Lebens lassen sich am schnellsten in Zahlentabellen übertragen. Das Glück der Ehe und die Liebe, das Unglück des Todes und die Trauer. Die junge Russin Alina Rudnickaja macht dem Petersburger Dokumentarfilmstudio, das eine lange zurückreichende Tradition besitzt, alle Ehre. Die Zeit scheint vierzig Jahre still gestanden zu sein, so sehr gleichen ihre Protagonist/innen jenen klassischen Typen der 60er Jahre; nur der Off-Kommentar bleibt, zum Glück, aus. In kontrastreichem S/W und unendlich präzisen Einstellungen entblättert sich - ähnlich wie in Thomas Heises "Das Haus" - die große kleine Welt des Bürgeramtes. Seelische Qualen auf beiden Seiten (der Besucher wie der Angestellten) und ein Gefühlsspektrum zwischen stoischer Ruhe, pragmatischer Gelassenheit, abgründiger Verzweiflung und purer Hysterie. Man weint, man schreit, man streitet und versöhnt sich vor den Beamtinnen und wenn man gar nicht mehr anders kann, verliebt man sich einfach in sie. "Wie, Sie wollen wissen, wie die Person heißt, die ihre Scheidung durchführt?" - Nadja. Wie die Hoffnung.
Anschl.:
Die Taxischwestern von Xian
R: Fang Yu, China/BRD 2006, 72min
"Wenn es ein nächstes Leben gäbe", sagt eine Taxifahrerin aus der chinesischen Stadt Xian, "wäre ich lieber ein Hund als ein Mensch. Ein Mensch zu sein ist sehr anstrengend." - Tatsächlich unterliegen die Frauen, die oft länger als zehn Stunden täglich am Steuer sitzen, einem strengen Reglement: Ein Großteil ihrer Einnahmen geht an die Taxiverwaltung; Polizisten kassieren hohe Strafen, falls sie außerhalb der festgelegten Halteplätze parken; fast tagtäglich gibt es neue Gebühren wie "Brückenzölle" oder "Sauberkeitsabgaben" und auch die Zahl der Überfälle hat rasant zugenommen. Regisseur Fang Yu porträtiert drei Taxifahrerinnen, erkundet ihre Lebensgeschichten und fragt nach den Gründen, warum sie diesen Beruf ausüben. Sein Film ist eine Hommage an die Kunst des Überlebens in harten Zeiten: "Wir glauben nicht an Gott und Teufel, wir glauben nur an uns."
(beide in der Festival-Sektion Dok Internationales Programm)

Lief zuletzt im November 2006