Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

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Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

Lucie is in Bed already / City of Factories Lucie is in Bed already / City of Factories
  • Di 31.10. 20:00
    die naTo
  • 2.11.2006
    die naTo

Lucie is in Bed already / City of Factories

49. Internationales Leipziger Festival für Dok- und Animationsfilm

Tschechische Republik bzw. USA/Mexiko , 98 min, Regie: Doppelprogramm

Lucie is in Bed already (Lucie uz je v posteli)
R: Jitka Rudolfova, Tschechische Republik 2005, 28 min
Der Gatte kommt mal wieder spät nach Hause, und Lucie ist schon im Bett. Nicht dass sie eine Schlaftablette wäre, diese Lucie. Ganz im Gegenteil, sie ist jung, schön, witzig, eloquent, war Mannequin, Filmstudentin, Performerin, High-Society-Reporterin - lebenshungrig, immer mittendrin. Aber irgend etwas sollte da noch sein, das Stück Sinn, nach dem alle suchen. Lucie glaubte, es in einer Familie zu finden. Vater, Mutter, Kind, das muss doch klappen. Jetzt sitzt Lucie mit dem Kind zu Hause, das zweite ist unterwegs, sie glaubt an Jesus statt an ihren Mann, wechselt Windeln und kocht Brei, und wenn der Gatte später kommt, liegt Lucie schon im Bett .
Was klingt wie ein traurig-alltägliches Drama, das jede kennt (was es auch ist), kommt als surrealer Mix aus Interviewaufnahmen, Homevideo, Landschaftsimpressionen und Archivmaterial daher. Rastlos hetzt die Kamera durch Räume, erfasst Gesichter und Gegenstände nur kurz, muss weiter, ist immer auf der Suche - wie Lucie. Die zwischen schriller Inszenierung und resignierter Sachlichkeit schwankt, die nicht weiß, ob sie lieben oder hassen soll und wo in all dem sie selbst geblieben ist. Im Bett ganz bestimmt nicht.
Anschließend:
City of Factories (Maquilapolis)
R: Vicky Funari & Sergio De La Torre, USA/Mexiko 2006, 70 min
Carmen und Lourdes arbeiten in den Maquiladoras von Tijuana, Mexiko. An der Grenze zu den USA entstanden mit Krediten von Weltbank und IWF seit den 1960er Jahren fast 4.000 Fabriken (sattsam bekannter Marken), in denen mehr als 1 Million Arbeitskräfte, 80 Prozent davon Frauen, für Billiglöhne am Fließband schufteten. Heute schließt ein Großteil von ihnen - in Asien ist Arbeitskraft noch billiger zu haben - und hinterlässt kontaminierte Böden, Krankheit, Verwüstung und Armut.
Vicky Funari und Sergio de la Torre aber sind nicht nach Tijuana gefahren, um aus dem Elend der meist alleinerziehenden Frauen einen erschütternden Film zu machen, den sich die Erste Welt voll Mitleid beguckt. Hier gibt es keine Opfer, sondern Widerstand und Power. Indem sie die sich als "Promotoras" organisierenden Frauen in ihre Arbeit einbezogen, Material und Ideen gemeinsam entwickelten, wurde der Film nicht nur zum Zeugnis, sondern zum Instrument einer Subjektwerdung. Carmen erkämpft sich eine Abfindung, Lourdes fordert mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter die mächtigen Umweltbehörden der USA und Mexikos heraus. "Maquilapolis" geht über eine Sozialreportage weit hinaus, arbeitet mit Inszenierungen, visuellen Effekten sowie Tagebuch-Elementen und dokumentiert eindrucksvoll die oft beschworene Kraft der Schwachen. Wer in Zukunft sein Panasonic-Gerät einschaltet, wird an die Frauen von "Maquilapolis" denken.
(beide in der Festival-Sektion Dok Internationales Programm)

Lief zuletzt im November 2006