Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

FAKE! 1 History Repeating FAKE! 1 History Repeating
  • 2.11.2006
    die naTo

FAKE! 1 History Repeating

49. Internationales Leipziger Festival für Dok- und Animationsfilm

BRD/Israel/Kanada/USA 1998-2005, 96 min, Regie: fünf Filme

Es laufen:

Suki
R: Miriam Glaser, D 2005, 15 min
Suki ist deutsch-koreanischer Abstammung, jedoch kennt sie die Heimat ihrer Mutter nur von der Landkarte. Ihr bisheriges Leben wird völlig auf den Kopf gestellt, als sie hört, dass sie die letzte wahre Nachfahrin des koreanischen Königsgeschlechts ist. Eine Woche vor ihrer Hochzeit reist die 20-jährige heimlich nach Korea, um mehr über ihr zukünftiges Königreich erfahren.
Sukis fiktionale Biografie basiert auf authentischen Video-Tagebuch-Aufzeichnungen (Mini-DV), die während einer Reise im Herbst 2003 in Korea entstanden sind. Die phantastische Geschichte orientiert sich an klassischen Märchenstrukturen und entwickelte sich parallel zum Schnittprozess.

Two Woman and a Man (Shtei Nashim Ve'Gever)
R: Roee Rosen, Israel 2005, 17 min
Der israelische Künstler Roee Rosen widmete mehr als fünf Jahre seines Lebens der jüdisch-belgischen Künstlerin und Pornographin Justine Frank. Frank, die in der französischen Surrealistenszene der 20er Jahre und später in der jüdischen Gemeinde aktiv war, war berüchtigt für ihre Verbindung von jüdischen Motiven mit eindeutiger Erotik. Mit ihrem malerischen Oeuvre markierte sie Zeit ihres Lebens eine Außenseiterposition zwischen Holocaust und Zionismus, die selbst im heutigen Israel noch zum Scheitern verurteilt ist. Roee Rosen spürt den Spuren, die die Künstlerin dennoch (oder gerade deshalb) hinterließ, in seinem Kurzfilm nach und mit der Zeit nähren sich die Zweifeln, inwiefern er "nur" der (Wieder-)Entdecker der vergessenen Künstlerin ist.
Ein doppelbödiges surrealistisches Portrait, das jede frisch gewonnene Gewissheit sofort mit einer Täuschungen konterkariert. Rosen schafft es, den Zuschauer mit einer sehr spielerischen Annäherung an die Konstruktion von Geschichte und Geschlecht fesseln.

Amy
R: Mike Hoolboom, Kanada 2003, 16 min
"Amy" zeichnet das Portrait einer jungen Frau auf der Suche nach sich selbst. Um die Frage zu beantworten, wie sie wurde, was sie ist, ruft sie sich ihre Kindheit in die Erinnerung zurück, in der sie so häufig photographiert wurde, dass sie verlernte, sich anders als mit den Augen des Fotografen zu sehen. Ihr Selbstbild wurde durch die Vorherrschaft der fremden Blicke deformiert, bleibt jedoch gleichzeitig das einzige Reservoir für die eigene Erinnerung und Subjektivität.
Der Film wirkt über weite Strecken wie ein experimenteller First-Person-Dokumentarfilm der Protagonistin, die ihre eigene Geschichte dokumentiert. Wie üblich kombiniert Hoolboom selbst gedrehtes Filmmaterial mit Found Footage und verwebt die verschiedenen Ausgangsmaterialien mit Texten und Kommentaren und macht sie sich so zu eigen. (aus dem Archiv der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen)

The Future is Behind You
R: Abigail Child, USA 2005, 18 min
Eine Familiengeschichte aus den 30er Jahren in Europa. Abigail Child verarbeitete dafür Materialien aus einem anonymen Familienarchiv und rekonstruierte eine fiktionale Geschichte zweier Schwestern, in der sie vor allem die geschlechtskulturelle Anpassung betont. Unter dem Schatten der nahenden Geschichte spielen, streiten, küssen und entwickeln sich die beiden Mädchen, während die gesamte Familie versucht, so lange wie möglich das drohende Unheil zu ignorieren.
Child gelingt in ihrem ausschließlich mit Found Footage Material kompilierten Film eine stringente Erzählung, die Biographie mit Fiktion und eine Brücke zwischen allgemeiner Historie mit persönlicher Geschichte schlägt. (aus dem Archiv der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen)

Human Remains
R: Jay Rosenblatt, USA 1998, 30 min
"Human Remains" illustriert eindrücklich Hannah Arendts Analyse der Banalität des Bösen, indem er die fünf größten Diktatoren des 20. Jahrhunderts in intimen Porträts vorstellt, in denen es ausschließlich um ihre privaten Vorlieben, Schwächen und Details aus ihrem täglichen Leben geht - ihr politisches Wirken und ihre historische Stellung bleiben völlig außen vor. Trotzdem schwebt das Grauen, für das diese Männer verantwortlich sind, über jeder Szene. Rosenblatt arbeitet zwar insofern dokumentarisch, dass er sich weitgehend an die bekannten Fakten hält - er nutzt jedoch seine künstlerische Freiheit und lässt die Männer in direkter Rede (durch den Mund von Schauspielern) selbst sprechen, was dem Film eine beklemmende Unmittelbarkeit verleiht. Der Filmemacher kombiniert Wochenschaumaterial mit Home-Movies und Fotos, um auf sehr ironische und humorvolle Weise die "menschlichen Überreste" dieser historischen Figuren auszugraben, ohne dadurch jedoch ihre monströsen Taten zu relativieren.

Lief zuletzt im November 2006