Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

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Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

Last Days Last Days
  • 15.12.2006
    die naTo

Last Days

Jugendbilder

USA 2005, OmU, 97 min, Regie: Gus van Sant
mit Michael Pitt, Kim Gordon, Lukas Haas, Asia Argento, Harmony Korine

Blake durchstreift den dämmrigen Herbstwald, macht ein Feuer. Der junge Mann (Michael Pitt - beeindruckend) hat langes, blondes Filzhaar - und erinnert an einen dieser Grunge-Musiker der 90er - ach ja: Kurt Cobain. Von Anfang an hat man den Eindruck, dass dieser Typ, der da wie ein gehetztes Tier vor sich hin brummt, nicht mehr unter den Menschen weilt. Entweder sind da Drogen im Spiel oder Wahnsinn - oder beides. Zurück in seinem schlossähnlichen Herrenhaus, das er mit vier anderen Abwesenden bewohnt, irrt er weiter wahllos herum, auf der Suche nach etwas, was schon längst den Bach runter ging. Er findet natürlich nichts, ausser dem Heroin, das er im Garten vergraben hat, und dann schliesslich das Nirvana am Ende des Tunnels. Allmählich erfährt man, dass er seinen Drogenentzug abgebrochen hat und sich im Haus verschanzt, das Telefon ignoriert. Und dann ergeben sich plötzlich sachte Andeutungen an die Biografie jenes Grunge-Helden. Mit einer Hommage hat das Ganze trotzdem nichts zu tun. Eindringlinge (ein Vertreter, junge Mormonen-Missionare, die Band-Managerin) sorgen kurz für Komik, doch Blakes Novembertag bleibt neblig-trüb. Stärker wirken Aufhellungen, in denen Blake zur Musik greift, um der Suppe, die ihn umgibt, Ausdruck zu verleihen. Gerettet hat es ihn nicht. Gus van Sant ist ein Meister der Erschaffung künstlicher, subjektiv erlebbarer Wahrnehmung. In ELEPHANT (2003) und GERRY (2002), hat er bereits entwickelt, was er jetzt mit lockerer Hand erneut auf die Leinwand zaubert. Der Trick geht so: Die Kameraführung, die Räume einfängt (anstelle von Schauspielern) wird unterstützt von bizarren Tonwelten: der Atem dicht am Ohr, die Soundeffekte irgendwo drunter oder drüber im auditiven Raum. Das Ergebnis ist erzählte Nicht-Handlung, die Reduktion der Ereignisse schafft Zeit und Raum für belebte Atmosphäre und subtile Emotion. Wer den Einstieg schafft in die Wahrnehmungswelt einer van Sant'schen Figur; wird mit einem Kinoerlebnis der unvergesslichen Art belohnt.

Lief zuletzt im Dezember 2006