Cinémathèque Leipzig - Archiv

<< Dezember 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 heute morgen 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 >>
ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ

Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

  • Di 30.04. 20:00
    die naTo

Blue Movie Bacchanalia – Vintage American Sex Films

American Outlaw Cinema II: Music, Sex & War

USA 1910-55, OF, 90 min, Regie: zusammengestellt und eingeleitet von Johannes Schö

Blue Movie Bacchanalia - Vintage American Sex Films


„Die große Öffentlichkeit weiß nichts von pornographischen Filmen und fragt vielleicht ein wenig überrascht, ob es dies denn überhaupt gibt. Die Kinoindustrie hört nicht gern davon, kann sie aber nicht ableugnen; doch trifft nicht sie die Schuld, denn die pornographischen Filme sind das Werk gewinnsüchtiger, skrupelloser Außenseiter, mit denen die Industrie nichts zu schaffen hat..." leitete Curt Moreck in seinem 1926 erschienenen Buch „Sittengeschichte des Kinos" das Kapitel über den pornographischen Film ein. Und damit hatte er recht: die Pornos der Zeit vor den späten 1960ern waren absolut illegale Produktionen und Regisseuren, Schauspielern und Verleihern drohten lange Haftstrafen, wurden sie beim Drehen oder Zeigen dieser Filme ertappt. In Deutschland wie in Amerika wie in fast allen Ländern der Welt.
Heute ist die Situation etwas lockerer und so kann dieses Programm einige damals verbotene Schätze präsentieren - wobei einige der Filme trotz des Zeitabstands noch immer nicht das Flair finster-gesinnter Gangster-Produktionen verloren haben.
Los geht's auf jeden Fall recht harmlos-amüsant mit Why Girls Walk Home, einem Film aus den späten 1910ern, in dem einer lustigen Truppe junger Mädels das Auto stehenbleibt. Aber da sie gerade eine Strandstraße herunterfahren, ist das erstmal egal und sie gehen schwimmen - in Unterwäsche allerdings. Ein Negerjunge beobachtet sie und klaut ihre Kleider. Worauf die Mädels halbnackt nach Hause laufen müssen... die im Titel versprochene Erklärung bleibt allerdings aus.
Fun in the Orchard (späte 1910er) zeigt lustigen, wenn auch expliziten Sex im Obstgarten, während No Help Needed (1920er) beinahe ein Portrait der illegalen Szene ist: 2 Girls sehen sich Sex-Photos an, erregen sich, haben Sex miteinander und dann mit einem plötzlich und unerklärlicherweise auftauchenden Mann - alles in einem Raum und die Scheinwerfer des Produktionstams sind mehr als einmal im Hintergrund zu sehen. Kein Problem, sich hier einen schimpfenden und leicht paranoiden Regisseur gleich außerhalb der Bildkante vorzustellen... Piccolo Pete (1920er) lädt eine junge Lady ins Studentenzimmer und hat Sex mit ihr, so richtig heiß geht es allerdings erst zu, nachdem sein Stubenkollege mit in die action einsteigt. Extrem rar und ein absoluter Tabu-Bruch selbst in diesem Genre: die beiden Männer treiben es auch miteinander!
Nun aber zu den richtigen Ganster-Produktionen: da ist einmal Japanese Yakuza Porn, ein von einem japanischen Gangstersyndikat produzierten kurzen Streifen, der wesentlich mehr an Detail zeigt als selbst heute im japanischen Kino gezeigt werden kann (und der männliche Darsteller hat den typischen Yakuza-Haarschnitt der Zeit) und zum anderen Mexican Dog (späte 1920er). Im katholischen Mexico schloß man damals beide Augen ganz fest, wenn entlaufene amerikanische Knastbrüder Pornos für die Tijuana-Grenzbordelle drehten - einer dieser Burschen taucht selbst kurz im Film auf.
Zeitsprung in die 1940er - ein Screen Test mit Candy Barr, damals berühmter Stripperin, Fetish-Modell und Pornodarstellerin und 2 kurze, schwule „Muskelfilme" aus den 1950ern bevor sich zum Ausklang in Apple Knockers and the Coke Bottle eine Marilyn Monroe - Imitatorin faul auf der Matraze rekelt. Die 1960er Sex-Revolution war nun nicht mehr weit...
Johannes Schönherr

Lief zuletzt im April 2002