Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

  • Mo 16.01. 20:00
    die naTo

Touching Politics IBeispiele zur Geschichte des politischen und experimentellen Films

BRD/USA/Kuba 1963-86, OmU, 85 min, Regie: diverse

Bei "Touching Politics" - einer Filmreihe der [» Freunde der Deutschen Kinemathek e.V., Berlin], kuratiert von Florian Wüst - handelt es sich um eine insgesamt fünfteilige Filmreihe, die sich durch die Verbindung von künstlerischer Vision und politischem Engagement, autobiografischen und gesellschaftlichen Kontexten auszeichnet.
Die Zusammenstellung dieser Filme aus den Jahren 1926 bis 1994 eröffnet einen besonderen Blick auf die Geschichte des politischen und experimentellen Films.

In der Geschichte des experimentellen Films ging es stets um das Anliegen, die Institution des kommerziellen Erzählkinos und die damit einhergehenden Sehgewohnheiten und kollektiven Vorstellungen des Publikums zu unterlaufen. Die Materialität von Film und die physischen Grundlagen audiovisueller Wahrnehmung sollten verdeutlicht und erfahrbar gemacht werden. Andere Filme zielten auf seinerzeit tabuisierte Inhalte, vor allem in Verbindung mit der Darstellung von Sexualität. In diesem Zusammenhang stellte sich immer wieder die Frage nach der Abbildbarkeit von Wirklichkeit außerhalb der gesellschaftlich produzierten Macht- und Repräsentationsverhältnisse. Sich ein eigenes Bild der Welt zu machen, hieß, sich zuerst der dem Medium eingeschriebenen Strukturen und Muster bewusst zu werden.

Neben der Reflexion über die materiellen und gesellschaftlichen Bedingungen des filmischen Arbeitens in einer zunehmend von symbolischen Bildern beherrschten Welt diente der Kurzfilm als ein erfolgreiches Mittel zur politischen Agitation und Aufklärung. Tragbare 16mm-Kameras und Synchronton schufen in den 1960er Jahren die technischen Voraussetzungen, um klassenkämpferische und antiautoritäre Standpunkte schnell und direkt durch Filme verbreiten zu können. Kollektive Produktionsprozesse wurden immer wieder dem Prinzip der individuellen Autorenschaft entgegengesetzt.


Die Reihe kombiniert Klassiker der filmischen Avantgarde mit selten gezeigten experimentellen und dokumentarischen Filmen. Vor dem Hintergrund einiger herausragender Ereignisse des 20. Jahrhunderts eröffnet "Touching Politics" eine vielschichtige und einzigartige Perspektive auf das Format und die Geschichte des Kurzfilms, in dessen Bild- und Tonmontagen sich gesellschaftliche Prozesse oft unmittelbarer abzeichnen als es das große Kino zu leisten vermag.

Das Programm Nr. I auch bei uns in Leipzig - "Abbildungsverhältnisse" beschreiben Lebensgefühle der 1960er Jahre zwischen der existentiellen Bedrohung durch Krieg und Rassismus und der Suche nach künstlerischer Radikalität im Umgang mit Film und Wirklichkeit. Unter dem Einfluss des Fernsehens avancierten politische Ereignisse zu Medienspektakeln, die Ermordung von John F. Kennedy 1963 mag hierfür als Symbol gelten.
Diese Flut der täglichen Bilder wurde besonders im Found Footage Film aufgegriffen, der sezierenden Hand der FilmemacherInnen unterworfen und somit zum Gegenstand der Kritik an einer seelenlosen Konsumkultur verarbeitet. Es laufen darin:

MASS FOR THE DAKOTA SIOUX · USA 163-64 · Regie Bruce Baillie · engl.OF · 20'
REPORT · USA 1963-1967 · Regie Bruce Conner · engl.OF · 13'
ROHFILM · D 1968 · Regie Wilhelm und Birgit Hein · ohne Dialoge · 22'
NOW! · Kuba 1965 · Regie Santiago Alvarez · engl.OF · 6'
PERFECT FILM · USA 1986 · Regie Ken Jacobs · engl.OF · 22'

Lief zuletzt im Januar 2006