Cinémathèque Leipzig - Archiv

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Das Archiv

zeigt alle Filme an, die seit 1998 im Programm der Cinémathèque Leipzig (vormals AG Kommunales Kino) zu sehen waren.

Möglich ist die Suche nach Film- oder Reihentitel.

Rechercheanfragen können uns gern auch per Email erreichen.

Wir bitten um Beachtung des Umstands, dass wir die gelisteten Filme nicht im Besitz haben und demzufolge auch nicht verleihen können.

 

 

  • 13.12.2005
    die naTo
  • 14.12.2005
    die naTo
  • So 18.12. 20:00
    die naTo
  • Mo 19.12. 20:00
    die naTo
  • Di 20.12. 20:00
    die naTo

UnderexposureUnterbelichtung

Leipzig-Premiere

BRD/Irak 2005, OmU, 74 min, Regie: Oday Rasheed
mit Samar Qahtan, Yousif Al-Ani

Bagdad, das ist in den Nachrichten inzwischen Synonym für menschenverachtende Selbstmordattentäter unter Terrorchef Al-Sarkawi, der besonders gerne brutal vor laufender Kamera Geiseln enthauptet. Aber es gibt auch ein anderes Bagdad. Im ersten irakischen Spielfilm nach dem Krieg und der ersten irakisch-deutschen Koproduktion überhaupt erzählt Regisseur Oday Rasheed von der zerstörten Stadt und ihren Bewohnern, die dem alltäglichen Schrecken trotzen.

Häuserfassaden erzittern unter Explosionen, wenige Straßenzüge weiter sitzen Menschen in Cafés und lesen Zeitung. Keine Fata Morgana, sondern Wirklichkeit in Bagdad - Stadt des Terrors und der ständigen Angst, Stadt des Aufbaus und des Neuanfangs. Beunruhigende Bilder aus Absurdistan in (Bürger)Kriegszeiten. Regisseur Rasheed führt in einer Mischung aus Fiktion und Doku mehrere Geschichten zusammen, so die eines Musiker, der gegen den Krebs kämpft und die eines jungen Filmemachers, sein Alter Ego. Der Film beginnt mit der Invasion der Amerikaner und endet im April 2004 im beginnenden Chaos der Suicidebomber. Die sukzessive Verwüstung der Stadt geht mit der Verwüstung der Seele einher. Manchmal glaubt man sich in zwei total verschiedenen Welten, wie sie gegensätzlicher nicht sein können. Während Teile Bagdads zu Schlachtfeldern zerfallen, versuchen die Bewohner mit dem Mut der Verzweiflung inmitten von Tod und Verderben ein Stück Normalität aufrechtzuerhalten, ohne dass sie den Glauben ans Überleben ganz verlieren würden. Und wie in jeder Großstadt gerät ein Paar in die Beziehungskrise, streitet und versöhnt sich.

Interessant die Entstehungsgeschichte des Films. Das abgelaufene Ausgangs-Filmmaterial stammt aus alten Beständen des ehemaligen Kulturministeriums, erworben auf dem Schwarzmarkt. Der Crew mit 35mm-Equipment, einer alten Arri-Kamera, Kran, Licht und Dolly flogen mehr als einmal Kugeln um die Ohren. Die Angst, dass aufgrund des Alters die Aufnahmen "underexposed", unterbelichtet sein könnten, erwies sich als unbegründet. Ein unter Lebensgefahr gedrehtes experimentelles Porträt einer Stadt im Ausnahmezustand.

Lief zuletzt im Dezember 2005